Fragmente des dritten und vierten Buches
Μελῶν γ΄ καὶ δ΄ ἀποσπάσματα
Vorbemerkung
Das dritte und das vierte Buch der alexandrinischen Sappho-Ausgabe haben an den beiden äußersten Enden des Überlieferungsglücks überlebt. Vom dritten Buch, gebaut auf der langen Zeile, die der größere Asklepiadeus heißt, ist eine Handvoll Zitate geblieben — aber die Grammatiker und Moralisten, die zitierten, hatten ein gutes Auge: Unter den fünf hier gedruckten stehen zwei ihrer meistzitierten Sätze — der Fluch über die Frau ohne Anteil an den Rosen aus Pieria, die sterben und vergessen sein wird, weil sie nichts geschaffen hat, und das Kranzgedicht für Dika, in dem die Chariten selbst das Geschmückte dem Schmucklosen vorziehen. Das vierte Buch ist der umgekehrte Fall: fast nichts zitiert, eine einzige Papyrusrolle — und in dieser Rolle ein Gedicht mit der schönsten Wiedergewinnungsgeschichte der ganzen Sappho.
1922 veröffentlichten die Ausgräber von Oxyrhynchos eine Kolumne zerrissener Zeilenenden: Jemandes Knie wollten nicht mehr tanzen, jemandes Haar war nicht mehr schwarz, und Tithonos wurde genannt, der Mann, den die Morgenröte liebte und entführte und für den sie vergaß, zum ewigen Leben auch die ewige Jugend zu erbitten. 2004 erwies sich ein Kölner Papyrus des dritten Jahrhunderts v. Chr. — die älteste bekannte Sappho-Handschrift — als Träger der Anfänge derselben zwölf Zeilen, und die beiden Ruinen, acht Jahrzehnte und zweitausend Kilometer voneinander entfernt, schlossen sich übereinander zu einem fast ganzen Gedicht über das Altern. Es ist hier nach beiden Zeugen gedruckt: die Oxyrhynchos-Partien, wie die Herausgeber von 1922 sie gaben, die Kölner Partien als bloßer Papyrustext, die noch fehlenden Zeilenanfänge offen gelassen, statt mit den Vermutungen irgendeines modernen Herausgebers gefüllt. Um das Gedicht herum stehen die zerrissenen Verse, die ihm in der Oxyrhynchos-Rolle vorausgingen und folgten — Sappho erklärt, dass sie die Feinheit liebt und dass die Liebe ihr den Glanz und die Schönheit der Sonne errungen hat —, und, als Anhang, die sieben Verse, die dem Gedicht in der Kölner Rolle vorausgehen: eine alternde Sängerin mit ihrer Leier hofft, unter der Erde die Ehrengabe zu behalten, die sie über der Erde besaß. Jedes Fragment steht unter seiner Lobel-Page-/Voigt-Nummer mit Angabe der bewahrenden Quelle, sodass jeder Fetzen zitierbar bleibt. Dieselbe Rolle gab noch an die vierzig weitere Schnipsel von wenigen Buchstaben her (Frr. 59–80 und 83–90 der Standardzählung); sie sind auf einen späteren Durchgang verschoben, statt schlecht gedruckt zu werden, und die Lücke bleibt mit Absicht sichtbar.
Mantel, den er sich umgeworfen.
περθέμενον χλάμυν.
wird je solche Weisheit besitzen — zu keiner Zeit.
ἔσσεσθαι σοφίαν πάρθενον εἰς οὐδένα πω χρόνον τοιαύταν.
eines, das nicht versteht, die Fetzen
über die Knöchel zu ziehen?
οὖκ ἐπισταμένα τὰ βράκε᾽ ἔλκην
ἐπὶ τῶν σφύρων;
].. ringsum [
]... [
b]erührend [ ]
] ich war bekümmert
] doch [... ] sie
]... [... ]
].. [... mit ]Namen. [
] setze, auf die Lippen, ein Voranschreiten.
] die schönen Gaben der [Veilchen]busigen, ihr Kinder,
] die sangesliebende, helltönende Schildkrötenleier:
] meine Haut, die einst [ ] war — das Alter schon
] wurden die Haare, aus schwarzen;
schwer ist mir das Herz geworden, die Knie tragen mich nicht,
die doch einst flink zum Tanz waren wie die jungen Kitze.
Darüber stöhne ich oft. Doch was könnte ich tun?
Ein Mensch zu sein und nicht zu altern — das ist nicht möglich.
Denn einst, so sagten sie, sei die rosenarmige Morgenröte, von Liebe [ ],
an die Enden der Erde gegangen, den Tithonos tragend,
schön, wie er war, und jung; doch gleichwohl ergriff ihn
mit der Zeit das graue Alter — und seine Gattin unsterblich.
] hält für dahingeschwunden
] möge gewähren
[Ich aber liebe die Feinheit,... ] auch dies ist mein:
den Gla[nz der Sonne und das Schö]ne hat die Liebe mir errungen.
].. [
liebt. [
und. [
].. [
] nun Festfreude. [
] und unter der Erde [
] die Ehrengabe haltend, wie es sich ziemt,
] sie möchten staunen — wie jetzt, da ich auf Erden bin,
] helltönend — [wenn] ich, die Harfe ergreifend,
] -leier, in den Gemächern singe.
].. πέρι [
]. ἐκε. [
θ]ίγοισα[. ]
]ιδ᾽ ἄχθην
]αλλ[..... ]ύταν
]... [... ]εισα
]ένα ταν[... ]νυμόν σ[
]νι θῆται στ[ύ]μα[σι] πρόκοψιν
]οκ[ό]λπων κάλα δῶρα, παῖδες,
]ν φιλάοιδον λιγύραν χελύνναν·
]ποτ᾽ [ἔ]οντα χρόα γῆρας ἤδη
]ένοντο τρίχες ἐκ μελαίναν·
βάρυς δέ μ᾽ ὀ [θ]ῦμος πεπόηται, γόνα δ᾽ [ο]ὐ φέροισι,
τὰ δή ποτα λαίψηρ᾽ ἔον ὄρχησθ᾽ ἴσα νεβρίοισιν.
τὰ στεναχίσδω θαμέως· ἀλλὰ τί κεν ποείην;
ἀγήραον ἄνθρωπον ἔοντ᾽ οὐ δύνατον γένεσθαι.
καὶ γάρ π[ο]τα Τίθωνον ἔφαντο βροδόπαχυν Αὔων
ἔρῳ φ.. αθεισαν βάμεν᾽ εἰς ἔσχατα γᾶς φέροισα[ν,
ἔοντα [κ]άλον καὶ νέον, ἀλλ᾽ αὖτον ὔμως ἔμαρψε
χρόνῳ πόλιον γῆρας, ἔχ[ο]ντ᾽ ἀθανάταν ἄκοιτιν.
φθ]ιμέναν νομίσδει
]αις ὀπάσδοι
[ἔγω δὲ φίλημ᾽ ἀβροσύναν,... ] τοῦτο καί μοι
τὸ λά[μπρον ἔρως ἀελίω καὶ τὸ κά]λον λέ[λ]ογχε.
ἐπιν[... ]νό. [
φίλει. [
καὶ ν[
]. υχ.. [
]νῦν θαλ[ί]α πα[
] νέρθε δὲ γᾶς περ[... ]οι
]ον ἔχοισαν γέρας ὠς [ἔ]οικεν
]ζοιεν ὠς νῦν ἐπὶ γᾶς ἔοισαν
]λιγύραν [α]ἴ κεν ἔλοισα πᾶκτιν
]λύνναν θαλάμοισ᾽ ἀείδω
winde Dill-Zweige zusammen mit deinen zarten Händen:
denn die seligen Chariten sehen zuerst auf das, was
blütengeschmückt kommt, und wenden sich von den Unbekränzten ab.
ὄρπακας άνήτοιο συν ῤραισ᾽ ἀπάλαισι χέρσιν,
ἐυάνθεσιν ἒκ γὰρ πέλεται καὶ χάριτος μακαιρᾶν
μᾶλλον προτέρην, ἀστεφανώτοισι δ᾽ ἀπυστρέφονται.